Der Pflegehund schläft kaum und kommt nicht zur Ruhe

Müde – und trotzdem ständig auf den Beinen

Ein neu eingezogener Pflegehund kann nach einem anstrengenden Transport sehr viel schlafen. Das Gegenteil kommt ebenfalls vor:

Der Hund läuft immer wieder herum, reagiert auf jedes Geräusch, folgt Menschen durch die Wohnung oder scheint überhaupt nicht richtig abschalten zu können.

Das bedeutet nicht automatisch, dass er „zu viel Energie“ hat.

Manchmal ist ein Hund schlicht noch so angespannt, dass Ruhe schwerfällt.

Neue Umgebung bedeutet viele Informationen

Der Hund muss plötzlich einordnen:

Wer lebt hier?

Welche Geräusche gehören zum Alltag?

Wo kann ich liegen?

Welche Türen öffnen sich?

Wo darf ich hin?

Wann passiert etwas?

Sind andere Tiere sicher?

Was wollen die Menschen von mir?

Ein Hund kann dabei körperlich müde und gleichzeitig innerlich sehr wach sein.

Mehr Beschäftigung ist nicht immer die Lösung

Wenn ein Hund unruhig ist, liegt der Gedanke nahe:

Er muss ausgelastet werden.

Dann folgen vielleicht lange Spaziergänge, Training, Spiel und immer neue Beschäftigungsangebote. Bei einem überforderten Hund kann dadurch noch mehr Reiz entstehen. Gerade in der ersten Zeit kann ein überschaubarer Tagesablauf hilfreicher sein als möglichst viel Programm.

Ein ruhiger Rückzugsort

Ein Pflegehund sollte möglichst einen Platz haben, an dem er nicht ständig angesprochen, angefasst oder von anderen Tieren gestört wird. Manche Hunde suchen sich selbst einen solchen Platz. Andere brauchen Unterstützung dabei, überhaupt zur Ruhe zu kommen. Wie dieser Bereich gestaltet wird, hängt vom Hund und vom Haushalt ab.

Schlaf beobachten, nicht erzwingen

Du musst nicht messen, wie viele Stunden dein Pflegehund schläft.

Interessanter ist:

Kann er sich überhaupt hinlegen?

Bleibt er eine Weile liegen?

Schreckt er bei jedem Geräusch hoch?

Läuft er Menschen ständig hinterher?

wirkt er nachts besonders unruhig?

gibt es Orte oder Situationen, in denen er deutlich besser entspannen kann?

Solche Beobachtungen können Hinweise darauf geben, was ihm hilft oder was ihn belastet.

Auch gesundheitliche Ursachen bedenken

Unruhe kann durch Stress entstehen. Sie kann aber beispielsweise auch mit Schmerzen, Verdauungsproblemen, starkem Juckreiz oder anderen körperlichen Beschwerden zusammenhängen.

Wenn ein Hund auffällig hechelt, Schmerzen zeigt, ungewöhnlich rastlos ist oder sich sein Zustand verändert, sollte deshalb nicht automatisch nur von Eingewöhnungsstress ausgegangen werden.

Plötzlich starke Rastlosigkeit kann auch ein Warnzeichen für ein akutes körperliches Problem sein. Kommen ein deutlich aufgeblähter oder schmerzhafter Bauch, wiederholtes erfolgloses Würgen, Atemprobleme, Schwäche oder Zusammenbruch hinzu, braucht der Hund unverzüglich tierärztliche Hilfe. Wenn möglich, sollte der betreuende Verein parallel informiert werden.

Bei weniger akuten Auffälligkeiten sollte die Situation mit dem Verein und gegebenenfalls tierärztlich eingeordnet werden.

Ruhe entsteht nicht auf Knopfdruck

Ein Hund, der gerade angekommen ist, kennt den neuen Alltag noch nicht. Mit zunehmender Vorhersehbarkeit kann es leichter werden:

Fütterungszeiten, Ruhephasen, kurze notwendige Wege und ein weitgehend normaler Tagesablauf können Orientierung bieten.

Dafür braucht es nicht zwingend einen minutengenauen Stundenplan.

Oft reicht zunächst:

weniger Neues, weniger Erwartungen und etwas mehr Zeit.