Der Pflegehund frisst nach dem Einzug nicht

Ein voller Napf und ein Hund, der ihn ignoriert

Viele Pflegestellen machen sich schnell Sorgen, wenn ein neu eingezogener Hund nicht fressen möchte. Das ist verständlich. Gleichzeitig kann ein verminderter Appetit nach Transport, Stress und Ortswechsel vorkommen. Entscheidend ist deshalb nicht nur die Frage:

„Frisst er?“

Sondern auch:

„Wie geht es ihm insgesamt?“

Eine neue Umgebung kann den Appetit beeinflussen

Ein Pflegehund erlebt möglicherweise innerhalb kurzer Zeit:

  • Transport,
  • neue Menschen,
  • andere Tiere,
  • ein anderes Zuhause,
  • neue Geräusche,
  • einen neuen Tagesablauf,
  • und eventuell anderes Futter.

Manche Hunde fressen trotzdem sofort. Andere brauchen zunächst Zeit.

Weißt du, was der Hund bisher gefressen hat?

Frag den Verein möglichst früh nach:

  • bisherigem Futter,
  • Fütterungszeiten,
  • bekannten Unverträglichkeiten,
  • Besonderheiten beim Fressen,
  • Medikamenten,
  • und dem Zeitpunkt der letzten Mahlzeit.

Ein abrupter Futterwechsel kann zusätzlich Probleme bereiten.

Ruhe kann beim Fressen helfen

Nicht jeder Hund möchte in einer fremden Umgebung essen, während Menschen danebenstehen und aufmerksam beobachten. Ein ruhiger Futterplatz kann sinnvoll sein. Bei mehreren Tieren sollte der Pflegehund so gefüttert werden können, dass kein Konkurrenzdruck entsteht.

Nicht ständig neue Dinge anbieten

Wenn ein Hund eine Mahlzeit nicht anrührt, entsteht schnell der Impuls, immer attraktivere Alternativen auszuprobieren. Ob und wann ein Futterwechsel sinnvoll ist, hängt jedoch von der konkreten Situation ab. Gerade bei bekannten Erkrankungen, Allergien oder verordnetem Futter sollte nicht einfach experimentiert werden.

Wann solltest du genauer hinschauen?

Nichtfressen kann harmlos sein.

Es kann aber auch mit gesundheitlichen Problemen zusammenhängen.

Wichtig sind deshalb Begleitumstände.

Achte zum Beispiel darauf, ob der Hund zusätzlich:

  • ungewöhnlich matt wirkt,
  • erbricht,
  • starken oder anhaltenden Durchfall hat,
  • Schmerzen zeigt,
  • nicht trinken möchte,
  • Probleme beim Schlucken hat,
  • einen deutlich aufgeblähten Bauch zeigt,
  • oder sich insgesamt auffällig verändert.

Auch Alter, Vorerkrankungen, Medikamente und Dauer des Futterverzichts spielen eine Rolle.

Pflegestellen Wissen kann deshalb keine allgemeine Stunden- oder Tagesgrenze nennen, die für jeden Hund sicher wäre.

Bei einem plötzlich deutlich aufgeblähten oder schmerzhaften Bauch, wiederholtem erfolglosem Würgen, Atemnot, Zusammenbruch oder einer raschen Verschlechterung braucht der Hund unverzüglich tierärztliche Hilfe. Wenn möglich, sollte der betreuende Verein parallel informiert werden. Bei anderen Auffälligkeiten oder Unsicherheit sollte die Situation mit dem Verein und gegebenenfalls tierärztlich abgeklärt werden.

Medikamente machen das Thema wichtiger

Wenn der Hund Medikamente benötigt, die zu bestimmten Zeiten oder zusammen mit Futter gegeben werden müssen, sollte bereits vor beziehungsweise unmittelbar nach der Übernahme geklärt sein, was zu tun ist, wenn der Hund nicht frisst.

Medikamente nicht eigenmächtig verändern oder absetzen.

Beobachten statt drängen

Ein neu eingezogener Hund braucht möglicherweise zunächst Ruhe. Das bedeutet nicht, gesundheitliche Auffälligkeiten zu ignorieren. Es bedeutet nur, zwischen zwei Dingen zu unterscheiden:

Ein Hund ist aufgeregt und hat gerade wenig Appetit.

und

Ein Hund zeigt Anzeichen dafür, dass gesundheitlich etwas nicht stimmt. Genau diese Einordnung ist wichtiger als die Vorstellung, jeder neue Pflegehund müsse seine erste Mahlzeit sofort begeistert auffressen.