Pflegehund und eigener Hund – die ersten Tage zusammen
Ein neuer Hund verändert auch für den vorhandenen Hund den Alltag
Bei einer Pflegestelle richtet sich verständlicherweise viel Aufmerksamkeit auf den neu angekommenen Hund. Doch wenn bereits ein Hund im Haushalt lebt, verändert sich auch für ihn einiges. Plötzlich ist da ein fremder Hund.
Er nutzt Räume, läuft mit Menschen mit, bekommt Futter und Aufmerksamkeit und muss erst lernen, wie dieser Haushalt funktioniert. Deshalb sollte die Frage nicht nur lauten:
„Verträgt sich der Pflegehund mit meinem Hund?“
Sondern:
„Wie können beide möglichst sicher und ohne unnötigen Druck miteinander ankommen?“
„Verträglich mit Hunden“ ist keine Garantie
Ein Hund kann grundsätzlich sozial mit Artgenossen sein und trotzdem nicht jeden einzelnen Hund mögen. Auch Kontext spielt eine Rolle. Begegnungen draußen können anders verlaufen als das Zusammenleben in einer Wohnung.
Stress nach Transport oder Ortswechsel kann Verhalten ebenfalls beeinflussen. Deshalb sind vorhandene Informationen hilfreich – aber sie ersetzen nicht die Beobachtung der tatsächlichen Situation.
Es muss nicht sofort alles gemeinsam passieren
Die Hunde müssen nicht unmittelbar:
- aus einem Napfbereich fressen,
- nebeneinander schlafen,
- Spielzeug teilen,
- gemeinsam auf engem Raum liegen,
- oder den ganzen Tag miteinander verbringen.
Gerade zu Beginn können getrennte Bereiche und Ruhephasen sinnvoll sein. Solange das Zusammenleben noch nicht verlässlich eingeschätzt werden kann, sollten die Hunde nur unter aufmerksamer Aufsicht zusammen sein. Wenn niemand die Situation beobachten und bei aufkommender Spannung frühzeitig reagieren kann, sollten die Hunde zuverlässig räumlich voneinander getrennt werden.
Ressourcen mitdenken
Nicht nur Futter kann wichtig sein.
Auch andere Dinge können für einen Hund Bedeutung haben:
Liegeplätze,
Spielzeug,
Kauartikel,
Nähe zu Menschen,
Türen und Durchgänge,
oder bestimmte Räume.
Deshalb kann es sinnvoll sein, potenziell konfliktträchtige Situationen zunächst bewusst zu managen.
Auch der vorhandene Hund darf Abstand wollen
Nicht jeder Hund freut sich über einen neuen Mitbewohner. Ein eigener Hund darf irritiert sein, Abstand suchen oder mehr Ruhe brauchen. Pflegestellenarbeit sollte nicht bedeuten, dass der vorhandene Hund dauerhaft Belastungen aushalten muss, weil der Pflegehund Vorrang bekommt. Beide Tiere gehören in die Beobachtung.
Körpersprache beobachten
Hilfreich ist, auf Veränderungen zu achten.
Zum Beispiel:
können beide Hunde entspannen?
vermeiden sie sich freiwillig?
entsteht häufiges Blockieren?
gibt es angespanntes Fixieren?
verteidigt einer Ressourcen?
wird einer ständig bedrängt?
kann ein Hund sich zurückziehen?
nimmt die Anspannung zu oder ab?
Nicht jedes Knurren bedeutet automatisch, dass die Hunde grundsätzlich unverträglich sind.
Genauso sollte deutliche oder zunehmende Spannung aber auch nicht ignoriert werden.
Konflikte nicht „unter sich klären lassen“
Die Vorstellung, Hunde müssten Rangfragen oder Konflikte einfach selbst austragen, kann unnötig riskant sein. Wenn eine Situation zunehmend angespannt wird, sollte sie gemanagt und nicht absichtlich eskalieren gelassen werden. Bei ernsthaften Konflikten oder wenn du die Situation nicht sicher einschätzen kannst, sollte der Verein frühzeitig einbezogen und gegebenenfalls fachliche Unterstützung hinzugezogen werden.
Futter zunächst getrennt
Gerade wenn die Hunde sich noch nicht kennen, ist getrennte Fütterung eine einfache Möglichkeit, unnötigen Konkurrenzdruck zu vermeiden. Auch Kauartikel oder besonders begehrte Ressourcen sollten nicht einfach gemeinsam angeboten werden, solange das Verhalten der Hunde noch nicht gut eingeschätzt werden kann.
Eine gute Beziehung muss nicht sofort entstehen
Manche Hunde spielen nach kurzer Zeit miteinander. Andere leben zunächst eher nebeneinander. Beides kann in Ordnung sein.
Das Ziel der ersten Tage ist nicht, möglichst schnell Freundschaft herzustellen. Es geht darum, dass beide Hunde sicher leben, Ruhe finden und ausreichend Abstand bekommen können. Wie sich ihre Beziehung anschließend entwickelt, darf sich mit der Zeit zeigen.
