
Der Pflegehund will nicht nach draußen
Wenn schon die Haustür eine große Grenze ist
Manche Pflegehunde gehen nach dem Einzug selbstverständlich mit nach draußen. Andere bleiben stehen, frieren ein, ziehen rückwärts oder möchten die Wohnung beziehungsweise das Grundstück überhaupt nicht verlassen. Gerade bei unsicheren oder ängstlichen Hunden kann eine völlig neue Außenwelt überwältigend sein. Dann hilft meist nicht die Frage:
„Wie bekomme ich ihn jetzt dazu?“
Sondern zunächst:
„Was macht diese Situation für ihn gerade so schwierig?“
Draußen ist plötzlich alles neu
Für einen Hund können draußen gleichzeitig viele unbekannte Reize auftreten:
Verkehr,
Menschen,
Fahrräder,
andere Hunde,
Türen und Treppenhäuser,
glatte Böden,
Aufzüge,
Geräusche,
Dunkelheit,
enge Straßen,
oder eine völlig andere Umgebung als bisher.
Was für uns Alltag ist, muss für diesen Hund noch lange nicht vertraut sein.
Nicht ziehen oder drängen
Einen verängstigten Hund mit Kraft durch eine Tür oder über eine Straße zu ziehen, kann Angst verstärken und zusätzlich gefährlich werden. Wie mit der Situation konkret umgegangen werden sollte, hängt stark vom Hund und den räumlichen Gegebenheiten ab. Bei starkem Angstverhalten sollte der betreuende Verein frühzeitig einbezogen werden.
Sicherheit hat Vorrang
Ein unsicherer Hund kann in Panik sehr schnell versuchen zu fliehen. Deshalb sollte bereits vor der Übernahme geklärt sein, welche Sicherung erforderlich ist. Besonders in den ersten Tagen sollten Türen, Tore und Übergänge bewusst abgesichert werden. Sicherungssysteme müssen zum jeweiligen Hund passen und korrekt verwendet werden.
Kleine Schritte können sinnvoller sein
Je nach Hund kann es zunächst schon ein Fortschritt sein:
sich der Haustür zu nähern,
kurz im Türbereich zu stehen,
einen ruhigen Bereich vor dem Haus wahrzunehmen,
oder wenige Meter entspannt zu gehen.
Das Ziel muss nicht sofort ein normaler Spaziergang sein.
Aber der Hund muss sich lösen können
Wenn ein Hund sich draußen nicht lösen kann oder überhaupt nicht hinausgeht, entsteht irgendwann auch ein praktisches beziehungsweise gesundheitliches Thema.
Versucht der Hund wiederholt zu urinieren, presst dabei stark und setzt keinen oder nur wenige Tropfen Urin ab, braucht er unverzüglich tierärztliche Hilfe. Wenn möglich, sollte der betreuende Verein parallel informiert werden.
Bei ausbleibendem Kot ohne solche Warnzeichen richtet sich die Dringlichkeit nach Dauer, Allgemeinzustand und möglichen Begleitsymptomen. Schmerzen, starkes Pressen oder andere gesundheitliche Auffälligkeiten sollten nicht einfach als Folge von Angst behandelt werden.
Nicht jeden Tag mit dem späteren Alltag vergleichen
In den ersten Tagen zeigt ein Pflegehund nicht unbedingt bereits das Verhalten, das er langfristig zeigen wird. Ein Hund, der zunächst kaum vor die Tür geht, kann mit zunehmender Sicherheit später gern spazieren gehen. Es gibt aber auch Hunde, bei denen stärkere Ängste länger bestehen und fachliche Unterstützung notwendig wird. Beides lässt sich nach wenigen Stunden noch nicht sicher vorhersagen.
Fortschritt kann sehr klein aussehen
Bei einem unsicheren Hund ist ein erfolgreicher Tag vielleicht nicht der Zwei-Kilometer-Spaziergang. Vielleicht war der Erfolg:
Heute ist er freiwillig bis in den gesicherten Eingangsbereich gekommen.
Solche kleinen Veränderungen können wichtig sein.
Entscheidend ist nicht, möglichst schnell einen normalen Spaziergang herzustellen. Entscheidend ist, Sicherheit aufzubauen und gleichzeitig gesundheitliche und praktische Bedürfnisse des Hundes im Blick zu behalten.